Geschäftsbericht 2017
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LAGEBERICHT

I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS

Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Archiv- und Bildmaterial jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein weltumspannendes Netz von Redakteuren und Reportern die eigene Nachrichtenbeschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von jeglichen Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor. Daran fühlen sich Mitarbeiter und Unternehmensleitung gleichermaßen gebunden.  

Beliefert werden mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksender genauso wie Online- und Mobilfunkanbieter. Auch Parlamente, Verbände, Stiftungen und Unternehmen gehören zu den Kunden der dpa und stellen neben den Medien immer wichtigere Ertragssäulen dar. 

Mit seinen Nachrichtenprodukten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die 180 Gesellschafter der dpa. Doch auch im Ausland werden inzwischen in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Pressefreiheit und Unabhängigkeit zu fördern.



II. WIRTSCHAFTSBERICHT

1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Die konjunkturelle Lage in Deutschland 2017 war geprägt von einem kräftigen und stetigen Wirtschaftswachstum. Die Gründe dafür sind nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes in erster Linie im Inland zu suchen. So lagen die privaten Konsumausgaben preisbereinigt um 2 % höher als im Vorjahr. Um 6,3 % stiegen die deutschen Exporte. Demnach fiel das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Jahresdurchschnitt 2017 um 2,2 % höher aus als im Vorjahr. Die deutsche Wirtschaft wuchs damit im achten Jahr in Folge.

Der deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt als Hauptmarkt der Deutschen Presse-Agentur hat sich 2017 in weiten Teilen stabil gezeigt. Das dokumentieren Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) vom Juli des vergangenen Jahres.

Gemäß der Untersuchung erreichen die Tageszeitungen bundesweit 40,6 Mio. Menschen. Das bedeutet zwar einen Verlust von 600 000 Lesern binnen eines Jahres, allerdings war der Rückgang mit 1,1 Mio. Lesern im Vorjahr noch deutlich größer. Aktuell lesen 57,9 % (MA 2016: 59,2 %) der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren eine Tageszeitung.

Fast die Hälfte der Bevölkerung liest regionale Titel (46,9 %), was einer Reichweite von 32,9 Mio. tägli­chen Lesern entspricht. Kaufzeitungen erreichen täg­­lich fast 11 Mio. und überregionale Abo-Zeitungen 3,2 Mio. Leser. Neben der starken Präsenz der Tages­zei­tun­­gen in der Altersklasse 30+ zählen auch ein Drittel der 14- bis 29-Jährigen (32,7 %) zur täglichen Leser­­schaft.

Die Zeitschriftennutzung ist bei neun von zehn Personen der deutschsprachigen Bevölkerung fest im Alltag verankert. Trotzdem sind die Reichweiten der Zeitschriften leicht rückläufig. Bundesweit werden laut agma von den untersuchten 155 Publikumszeitschriften insgesamt 62,8 Mio. Leser erreicht. Das entspricht 89,6 % der Bevölkerung ab 14 Jahren. Bei der vorangegangenen Zeitschriften-MA vom Januar 2017 waren es noch 90,2 %. 

Die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) meldet für 2017, dass sich die Auflagenverluste der Tagespresse insgesamt spürbar abgeschwächt haben, was als vorsichtig ermutigendes Signal gewertet werden kann. Deutlich wachsendem Zuspruch erfreuen sich dagegen die digitalen Ausgaben der Tageszeitungen. Der Anteil der ePaper am Gesamtergebnis liegt im 4. Quartal 2017 bei 1,22 Mio. täglich verkauften Exemplaren. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von mehr als einem Fünftel (4/2016: 1,00 Mio. elektronische Ausgaben).

Insgesamt war 2017 für den Journalismus ein Jahr, in dem die freien Medien weltweit starker Beeinflussung und Beeinträchtigung ausgesetzt waren. Besonders deutlich wurde das am Beispiel der Türkei, in der als Folge des gescheiterten Putschversuches nach Angaben von Reporter ohne Grenzen 150 Medien geschlossen wurden. Neben dem für lange Zeit inhaftierten WELT-Mitarbeiter Deniz Yücel wurden insgesamt weit über 100 Journalistinnen und Journalisten festgesetzt. In diesem Klima der Einschüchterung obliegt der dpa als internationaler Nachrichtenagentur eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber ihren Korrespondenten vor Ort.

Doch auch in anderen Teilen der Welt wird versucht, die freien Medien zu diskreditieren und zu behindern. Insbesondere in den USA ist dies seit dem Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps zu beobachten. Angriffe gegen Qualitätsmedien – gerne via Twitter – gehörten im vergangenen Jahr zum Alltag. Auch EU-Mitglied Ungarn schränkte die Pressefreiheit ein. Premier Orbán und seine Regierung kontrollieren einen Großteil der Medienlandschaft – kritische Stimmen werden kaum noch gehört.

Diesen Verwerfungen wirkt allerdings positiv entgegen, dass es trotz anhaltender Diskussionen um den Bedeutungsverlust klassischer Medien, Lügenpresse-Vorwürfen und dem Phänomen sogenannter Fake News deutliche Zeichen gibt, die auf ein steigendes Vertrauen in den Journalismus hindeuten. So ergab die internationale Studie „Edelman Trust Barometer“, dass der Journalismus, wie ihn traditionelle Medien wie Zeitungen und TV-Sender sowie seriöse Online-Medien betreiben, in der Bevölkerung deutlich an Vertrauen gewonnen hat: global fünf Prozentpunkte auf 59 %. Parallel dazu ist weltweit ein Vertrauensverlust in die Sozialen Medien zu beobachten. In Deutschland zeigt sich laut Edelman-Studie zwischen Journalismus (61 %) und Plattformen (40 %) mittlerweile eine große Vertrauenslücke. Der Vertrauensverlust in die Sozialen Netzwerke geht mittlerweile so weit, dass große Unternehmen wie jüngst Unilever damit drohen, in Zukunft nicht mehr auf den Plattformen zu werben.